Zu Beginn meiner Selbständigkeit bin ich bei Marketingaktivitäten vor allem der Freude und den spontanen Impulsen gefolgt. Die Beiträge, die daraus entstanden, zeichnete eines durchgehend aus: Leichtigkeit und Authentizität. Das ist wichtig. Ich habe intuitiv gemacht, was man intuitives Marketing nennt.
Auch von meinen Kundinnen höre ich, wie viel sie ausprobiert und spontan umgesetzt haben, vor allem, weil es ihnen Spaß gemacht hat. Das ist gut und hilfreich, um die eigene Sprache, den eigenen Stil und Ausdruck zu finden.
Aber dann kommt der Punkt, an dem spontan und intuitiv oft nicht mehr reicht.
Denn so wie es die Nacht nicht ohne den Tag gibt, braucht es auch im Content-Marketing strategische Eckpfeiler, zwischen denen sich spontane, kreative Impulse entfalten dürfen, die dennoch auf eine Gesamtstrategie einzahlen.
Nicht jeder Content braucht Planung. Aber jeder Content braucht Einordnung.
Daher sollte es bei der Antwort auf die Frage “Strategische Marketing versus intuitives Marketing” nicht um ein Entweder-Oder, sondern um ein Sowohl-als-auch gehen.
Was ist intuitives Marketing?
Intuitives Marketing meint ein Marketing, das sich vor allem aus Bauchgefühl, Erfahrung und spontanen Impulsen speist. Nach dem Motto: “Ich habe jetzt Lust auf dieses oder jenes Thema und es sprudelt wie von selbst aus mir heraus.”
Diese Impulse entstehen oft aus dem Moment heraus: aus Beobachtungen, Gesprächen, Emotionen oder inneren Bewegungen. Sie sind nicht geplant, sondern wollen jetzt umgesetzt werden und genau darin liegt ihre Kraft.
Diese Ideen und Impulse rufen ein Gefühl der Freude hervor. Bei der Umsetzung ist man wie im Flow. Und sie können vor allem eines: dich als Person authentisch rüberbringen.
Intuitives Marketing ist für Selbständige oft der erste Zugang, wenn Marketing nicht in der eigenen fachlichen Ausbildung vorkommt.
Auch wenn diese Form des Marketings nicht planlos sein muss, kann sie auf Dauer zu Erschöpfung führen, wenn sie losgelöst von einer übergeordneten Planung, Strategie und von Zahlen geschieht. Nämlich dann, wenn eine Wirkungslosigkeit zu spät erkannt und nicht rechtzeitig gegengesteuert wird.
Was ist strategisches Marketing?
Strategisches Marketing bedeutet, Marketingaktivitäten in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Diese Arbeitsweise stützt sich auf Zahlen, Daten und Fakten und auf bewährte Wege, wie Botschaften zu potentiellen Kunden finden.
Diese Form des Marketings fragt danach: wofür will ich sichtbar sein und für wen und wohin soll diese Sichtbarkeit führen?
Man agiert nicht nur aus dem Moment, sondern die Handlungen sind langfristig angelegt. Es geht nicht nur um die Frage “Was will ich heute sagen?”, sondern ebenso darum “Was ist mein Ziel und bringt mich diese Aussage und Maßnahme dorthin?”
Mit strategischem Marketing geht man geplant vor und verifiziert den Erfolg von Kampagnen über entsprechende Zahlen, die den Erfolg belegen können. Es ist das Marketing, das man in Büchern und Vorlesungen vermittelt bekommt und das in Unternehmen, Konzernen und Agenturen vorrangig zum Einsatz kommt.
Ein starres Agieren nur nach Zahlen kann allerdings rechtzeitige Weiterentwicklungen blockieren, wenn z.B. in der Ferne erkennbare Trends ignoriert werden, weil die Zahlen ja noch stimmen. Wie aktuell bei SEO und KI kann es dann ein böses Erwachen geben.
Zahlen müssen zudem differenziert betrachtet werden: vermeintlich gute Zahlen können völlig irrelevant sein, wenn z.B. die dahinterstehenden Views von Menschen stammen, die für das eigene Business völlig irrelevant sind. Gerade bei bezahlten Werbekampagnen kann das schmerzhaft teuer werden.
Teilbereich Content-Marketing
Ich selbst beziehe mich in meiner Arbeit vor allem auf den Bereich Content-Marketing. Damit ist ein Marketing gemeint, das auf informative, relevante und bereichernde Inhalte setzt, um damit Expertise zu zeigen, Vertrauen zu fördern und die Zielgruppe dort abzuholen, wo sie steht. Die Inhalte können für sich stehen, sind aber immer auch in ein strategisches Gesamtgefüge eingebettet und führen in logischer Konsequenz zu den eigenen Angeboten.
Content-Marketing nutze ich deshalb, weil es Raum für Tiefe lässt und Sichtbarkeit nicht über Lautstärke und kurzlebige Trends, sondern über Relevanz entsteht.
Auch Content-Marketing basiert, strategisch ausgeführt, auf Kennzahlen und Daten, die die Wirksamkeit belegen oder Unwirksamkeit aufdecken können.
Beispiele für die Kombination von Intuition und Strategie
Vergegenwärtigt man sich die Stärken und Schwächen der Vorgehensweisen, lässt sich erahnen, dass sie zusammengenommen gut gemeinsam funktionieren. Ein paar Beispiele sollen deutlich machen, wie die Kombination aus strategisch und intuitiv aussehen kann:
Angebote und Termine
Du hast ein zeitlich befristetes oder terminiertes Angebot? Dann muss punktgenau Werbung dafür gemacht werden. Sich dann nur auf spontane Impulse zu verlassen, kann dazu führen, dass man viel zu spät anfängt und die Vorlaufzeit ungenutzt verstreichen lässt. Hier ist es wirklich gut, einen klaren Zeitplan zu haben.
Du planst ein neues Angebot? Dann mach dir Gedanken dazu, wann, wo und wie du es ankündigen willst. Kläre die strategischen Fragen, für wen das Angebot ist und wie du diese Menschen am besten abholst. Und frage dich, was du schon aus der Entwicklungsphase des Angebots für Inhalte nutzen kannst. Lässt sich die Entwicklung selbst als Thema verwenden?
Das passiert nicht spontan, sondern geplant. Und hier sind die strategischen Fragen und Eckpfeiler wichtig. Dann kannst du jederzeit spontan die Kamera schnappen und mal eben ein Video drehen oder Fotos knipsen. Oder in die Tastatur hauen und einen Text schreiben.
Ohne diese Eckpfeiler entsteht schnell das Gefühl, ständig etwas zu posten oder zu teilen, aber nie wirklich auf etwas hin zu arbeiten.
Sich mit dem Wieso, Weshalb, Warum, also der Strategie zu beschäftigen, sorgt dafür, dass der Fokus auf das Thema klar gesetzt ist.
Dann können spontane Impulse umso besser entstehen, weil z.B. unser Gehirn die Möglichkeiten für den passenden Inhalt überhaupt erst erkennen kann.
Content-Serien
Auch Content-Serien, also mehrere Beiträge, die aufeinander aufbauen oder in irgendeiner Form thematisch zusammenhängen, werden am besten strategisch im Voraus geplant. Bei der Umsetzung dürfen dann spontane Einfälle und Impulse einfließen.
Ein Online-Adventskalender entsteht zum Beispiel selten aus einer Reihe von 24 spontanen Impulsen, sondern wird thematisch im Voraus geplant und umgesetzt. Während der Umsetzung finden spontane Impulse und Anpassungen trotzdem noch Raum, ohne dass das Überthema wieder umgeworfen werden muss. Die strategische Entscheidung ist hier nicht jeder einzelne Inhalt, sondern das Überthema. Innerhalb dieses Rahmens dürfen und sollen Intuition und Impulse mitspielen.
Newsletter
Eine gute Kombination aus intuitivem und strategischem Marketing erlebe ich zum Beispiel beim Thema Newsletter: das fixe Versanddatum ist gesetzt und auch ein grober Themen-Plan steht – vorgegeben z.B. durch Termine oder Angebote. Das ist der strategische Teil.
Inhaltlich entstehen die Newsletter bei mir aber recht kurzfristig, manchmal erst am Versandtag selbst. Sie speisen sich oft aus aktuellen Erlebnissen und Erfahrungen und werden nicht Wochen im Voraus geplant. Das ist der intuitive Teil. Und das klappt so gut, dass ich mir auch keinen großen Kopf um den Inhalt mache, sondern darauf vertraue, dass der richtige Impuls rechtzeitig kommen wird.
Durch einen Redaktionsplan weiß ich, wann und worauf der Newsletter thematisch einzahlen sollte, den Rest macht die Intuition.
Dieses Zusammenspiel aus festem Rahmen und inhaltlicher Freiheit erlebe ich als eine der nachhaltigsten Formen von Content-Marketing.
Ziele setzen
Sich Ziele zu setzen, gibt Content-Marketing eine Richtung vor. Die Ziele sollen nicht unter Druck setzen, sondern Orientierung geben. Sie beantworten nicht die Frage, was du heute posten sollst, sondern wofür du etwas veröffentlichst. Ohne Ziel bleibt Content oft reiner Ausdruck. Mit einem Ziel wird er Teil einer längerfristig angelegten Entwicklung.
Das Ziel kann dabei ganz unterschiedlich aussehen. Mit Content-Marketing kannst du z.B.
- mehr Klarheit über die eigene Positionierung herbeischreiben,
- Anfragen generieren,
- deinen Newsletter aufbauen,
- deinen Expertenstatus erarbeiten.
Und mit Strategie und klaren Zielen entsteht das Gefühl, endlich einen roten Faden zu haben.
Fazit
Strategisches Marketing und intuitives Marketing sind kein Widerspruch. Richtig eingesetzt, gehen beide Herangehensweise Hand in Hand.
Spitz formuliert kann man daher sagen:
Strategie ist kein Korsett für Kreativität, sondern der Raum, in dem sie wirksam werden kann.
Genau hier zeigt sich der Wert der Kombination aus Intuition und Strategie:
Die Strategie setzt die Richtung. Die Intuition entscheidet, wie sich der nächste Schritt stimmig anfühlt.
Um noch mal zum Beginn des Artikels zurückzuschwenken: Weißt du, warum ich zu Beginn meiner Selbständigkeit vor allem intuitives Marketing verwendet habe, obwohl ich das strategische Vorgehen gelernt habe? Weil meine Ausrichtung und Positionierung nicht klar war.
So wie es vielen Selbständigen, Coaches und Solo-Entrepreneuren zu Beginn ihrer Selbständigkeit ergeht. Wenn du auch das Gefühl hast, dir fehlt Plan und Überblick, dann schau doch mal hier entlang:
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Über die Autorin
Dorothee Dickmann, Online-Redakteurin B.A. seit 2009, war freiberuflich für Online-Medien und eine Internetagentur tätig sowie viele Jahre angestellt in der Online-Unternehmenskommunikation im Mittelstand. Heute unterstützt sie als Mentorin für Sichtbarkeit und Online-Marketing Selbständige und Freiberufler dabei, Klarheit über ihre Kanäle, Inhalte und Positionierung zu gewinnen und Content-Marketing strukturiert umzusetzen.

